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Musik in Iran - ein Überblick  hier
Tanz in Iran

Bedingt durch die multikulturelle Gesellschaft Irans, kann man nicht von dem iranischen Tanz oder gar einer Art iranischem Nationaltanz sprechen.
Die Bevölkerung Irans setzt sich aus verschiedenen Ethnien zusammen, deren hauptsächliche sind: Kurden, Turkmenen, Azerbaijaner, Araber, Belutschen, Perser, deren vielfältige Stämme und Unterstämme (z. B. Luren, Bakhtiaren, Taleshi) sowie Nomaden, wie z. B. die Qashqai. Daß die persische Sprache die Nationalsprache des Iran ist, ist zum einen durch die persische Bevölkerungsmehrheit (ca. 50%), zum anderen durch die über 2500jährige Geschichte des Landes zu erklären. Jede dieser Bevölkerungsgruppen drückt sich durch ihre eigene Identität aus, durch Sprache, Kleidung, Musik und auch durch den Tanz.
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Im Laufe der wechselvollen Geschichte Irans kam es zu Eroberungen ausländischer Invasoren (Griechen, Araber, Mongolen, Türken) deren Kulturen ebenfalls ihre Spuren hinterlassen haben.
Wie in anderen Regionen dieser Erde, so werden auch in Iran im Volkstanzbereich zu bestimmten Anlässen bestimmte Tänze vorgeführt: Hochzeiten, Neujahrsfest, Beschneidungen, Arbeitstänze u. a. Darüber hinaus wird natürlich auch bei privaten Festen getanzt, wobei sich hier die regionalen Unterschiede bemerkbar machen und man zwischen ländlicher und städtischer Tanzkultur differenzieren muß.
Den traditionellen Volkstänzen stehen heutzutage die modernen westlichen - vor allen Dingen von Jugendlichen bevorzugten - Tänze der Popkultur entgegen. Seit der islamischen Revolution von 1979 jedoch ist éTanz' nur selten eine öffentliche Angelegenheit. 1967 wurde eine nationale Volkstanzgruppe (sazeman-e folkor-e Iran) gegründet, deren Existenz mit dem neuen Regime leider ein frühzeitiges Ende fand.
Die klerikal ausgerichtete Regierung gestattete vor allen Dingen den Frauen nicht, an derartigen Veranstaltungen als Tänzerinnen teil zu nehmen, Männer und Frauen dürfen nicht zusammen als Tanzpartner auf einer Bühne erscheinen. Bei Veranstaltungen, die z. B. als Thema die Provinzen des Landes haben, gibt es Auftritte von Tanzgruppen aus den Regionen und hier zeigt sich, daß die Volkstanztraditionen noch sehr lebendig sind. Die nebenstehenden Fotos habe ich bei einer solchen Veranstaltung im Jahre 2000 in Teheran aufgenommen. Sie zeigen Tänze aus Khorasan (Ostiran).


Ein weit verbreiteter Tanz in Iran ist der raqs-e tehrani, der zu entsprechender Musik im 6/8 Rhythmus getanzt wird. Diese Tanzmusik wird reng genannt. Die Arme werden dabei in Schulterhöhe gehalten, mit den Händen werden grazile Bewegungen ausgeführt, dazu leichte Bewegungen mit der Hüfte und den Füßen, größere Schritte werden nicht gemacht. Die Tänzer tanzen allein und die Bewegungen sind Improvisationen des Tänzers, wobei die Improvisationen aus einem bestimmten Fundus an Bewegungen geschöpft werden.
Als Gruppentanz funktioniert der tehrani so, daß ein Kreis gebildet wird und jemand aufgefordert wird in die Mitte zu gehen und dort zu tanzen.
Nachdem der Solist eine Weile getanzt hat, fordert er wiederum einen anderen aus dem Kreis auf und so weiter, bis alle ihren Soloauftritt gehabt haben - oder der Kreis sich vorher auflöst. Andere Tänze dieser Art sind baba karam und shateri.
Verschiedene Folkloretänze werden mit Gegenständen getanzt, z. B. Gläsern oder anderen Gefäßen, Stöcken oder Krücken ( tschub-bazi ), auch Schwertern bei Tänzen, die Kampfszenen darstellen (z. B. in Azerbaijan). Sehr beliebt sind ebenfalls Tücher und manchmal gibt es Tänze bei denen ein Musiker, wie etwa der Trommler auf dem obigen Foto, in den Tanz mit einbezogen wird. Vereinzelt gibt es Tänze, bei denen eine oder mehrere Personen eine Tierattrappe überstülpen und damit tanzen. Bei einigen Tänzen ist es üblich, darin dem indischen verwandt, daß Frauen sehr stark ihre Mimik einsetzen und z. B. die Augenbrauen separat bewegen, dazu gehört auch der theatralische raqs-e bazak (Schminktanz). Auch Zimbeln werden in einigen iranischen Tänzen von Frauen benutzt und zum Rhythmus der Musik eingesetzt.
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Die musikalische Begleitung (sie differiert den Regionen entsprechend) besteht meist aus einem Rhythmusinstrument, einer Rahmentrommel (daf (1), dayere, naqqareh) oder der größeren Trommel (dohol) (2), die mit Schlegeln beidseitig bespielt wird oder dem dombak (3); einem Blasinstrument (sorna, ney), eventuell der Spießgeige kemantscheh (4) oder einem anderen Saiteninstrument (sehtar (5), tar, oud (6), robab).
In der Region am persischen Golf wird noch das dudelsackähnliche Instrument ney-anban benutzt. Meist sind es nur zwei oder drei Instrumente und nicht selten wird zur Musik gesungen.
Der klassische persische Tanz unterscheidet sich von den anderen Tänzen dadurch, daß sein Stil von einer langwährenden Tradition herkommt, der dadurch erlernt und über Generationen weitergegeben worden ist. Dies geschah nicht über Schulen oder Tanzmeister sondern ist von Generation zu Generation vermittelt worden.
In Iran gibt es jedoch keinen festgeschriebenen Kodex für Tanz - Choreographien. Das hat zur Folge, daß praktisch jeder Tänzer, jede Tänzerin einen eigenen Stil kreieren konnte.
Wie oben bereits gesagt, geschah/geschieht dies jedoch in einem Rahmen von Ausdrucksmöglichkeiten, die nun eben den persischen Tanz ausmachen. Ein guter Tänzer ist in der Lage seinen Tanz innovativ zu gestalten, ohne die Essenz des persischen Tanzstils zu verlassen.
Hierbei spielt die Musik ebenso eine Rolle wie die Poesie des Landes. Die Komponisten der Tanzstücke (reng) ließen sich oft von literarischen Vorbildern inspirieren, von den Figuren der Gedichte eines Hafiz, Saadi oder den Epen eines Nizami oder Ferdousi.
Diese Kenntnisse machen es für nichtiranische Tänzer/innen gelegentlich schwer, die Tänze mit dem entsprechenden Ausdruck zu "füllen". Allerdings gibt die Musik diesem Interpreten genug Anhaltspunkte sich tänzerisch darzustellen. In den vergangenen Jahren hat sich herausgestellt, daß aber auch nichtiranische Frauen durchaus in der Lage sind, hervorragende persische Tänze aufzuführen.
Überwiegend wird im klassischen persischen Tanz der Oberkörper stärker betont, als der Unterkörper, wie etwa die Hüfte oder das Heben und beugen der Beine oder schnelle Schritte. Dafür werden Gesicht, Kopf, Schultern und vor allen Dingen Arme und Hände betont. Im Tanz wird eher das Gefühl betont, als die Bewegung. Die Tänzer sind in der Lage eine Fülle von Ausdrücken (Koketterie, Ablehnung, Freude, Sinnlichkeit, Stolz und Humor) durch den Tanz zu vermitteln. Auf iranische Zuschauer kann der reine Bewegungstanz, ohne das Zeigen von Gefühlen, leer und uninteressant wirken.
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Musik in Iran - ein Überblick
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